Guter Ort zum Sitzen

Philip Jan Krajewski
2026
Installation, Intervention im öffentlichen Raum

Ort: Flanken des Brunnens am Elektrohäuschen, Urachstraße 2X 79102 Freiburg im Breisgau
Zeit: Über die gesamte Dauer des Open Art Festivals, 3. bis 17. Mai 2026, 24 Stunden am Tag.

Beitrag für das Open Art Festival 2026

OPEN ART lädt vom 3. bis 17. Mai 2026 dazu ein, zeitgenössische Kunst an unerwarteten Orten im Freiburger Stadtraum zu erleben. Künstler*innen aus der Region Freiburg oder einem Bezug zur Stadt entwickeln in Betrieben, Läden, Restaurants, Parks und auf öffentlichen Plätzen Kunstwerke, die alltägliche Räume verwandeln und vertraute Perspektiven aufbrechen.

Im Mittelpunkt steht das Leitmotiv „Unverfügbarkeit“ – der Umstand, dass nicht alles im Leben planbar, kontrollierbar oder greifbar ist. OPEN ART macht erfahrbar, wie Kunst das Unvorhersehbare, das Unerwartete und das Nicht-Verfügbare sichtbar macht und damit neue Formen von Resonanz, Staunen und Lebendigkeit in der Stadt ermöglicht.

Guter Ort zum Sitzen

Ein öffentlicher Ort im Freiburger Stadtraum, der sich als guter Ort zum Sitzen anbietet, an dem jedoch keine Sitzgelegenheit vorhanden ist. Der Ort ist bewusst ausgewählt und bleibt unverändert: Es wird kein Objekt installiert, keine Bank aufgestellt, kein Ersatz angeboten.

Die Arbeit setzt sich mit dem Leitmotiv „Unverfügbarkeit“ auseinander, indem sie Resonanz nicht herstellt, sondern ihre Voraussetzungen untersucht. Resonanz lässt sich nicht erzwingen – zugleich kann sie unter bestimmten räumlichen Bedingungen nicht einmal versucht werden. Öffentliche Räume werden zunehmend so gestaltet, dass Aufenthalt erschwert wird: Sitzmöglichkeiten verschwinden, Verweildauer wird reguliert, Durchgang und Funktionalität dominieren. Diese Formen defensiver Architektur tragen zum Verschwinden sogenannter „Third Places“ bei – Orte zwischen Arbeit und Privatheit, die soziale Nähe ermöglichen könnten, ohne Konsum oder Leistung einzufordern. Ihr Verlust ist Teil jener Entfremdung, die gesellschaftstheoretisch beschrieben wird.

Der ausgewählte Ort verweist auf eine naheliegende Möglichkeit, die nicht eingelöst wird. Erwartung, Enttäuschung oder Gleichgültigkeit sind mögliche Reaktionen. Die Arbeit fordert Frustrationstoleranz ein und macht erfahrbar, dass Zugänglichkeit, Aufenthalt und Teilhabe keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern ungleich verteilte Bedingungen haben.