Philip Jan Krajewski
2024
Konzept, Malerei
100 x 77 x 3 cm
Digital, Texte, Holz (Fichte), Holzschutzfarbe, Früchtetee, Tannenduftöl
Untertitel: Wenn die Stadt dich krank macht und die Natur dich nicht mehr heilen kann, wo zum Fick soll man hin?
„Waldbaden“ verspricht Heilung. „Waldsterben“ benennt den Kollaps. Beide Begriffe existieren im selben kulturellen Raum.
Die Vorstellung einer Trennung von Kultur und Natur hat ihre Integration unter extraktive Kontrolle legitimiert. Wälder sind verwaltet, ökonomisiert und strukturell in jene Systeme eingebunden, die durch sie Erholung versprechen. Natur existiert nicht mehr außerhalb der Strukturen, die vorgeben, ihr entgegenzustehen.
Die urbane Zivilisation produziert Stress, Entfremdung und ökologische Zerstörung – und instrumentalisiert den Wald zugleich als therapeutischen Gegenraum. Das Versprechen der Erholung wird durch dieselbe Logik verkauft, die Land als Ressource erschöpft. Heilung wird ausgelagert. Die Krise jedoch ist systemisch, nicht individuell.
Die Arbeit materialisiert diesen Widerspruch. Die Oberfläche besteht aus Fichtenholz – einer Baumart, die aus ökonomischen Gründen großflächig in Monokulturen gepflanzt wurde. Das Grün ist kein lebendiges Wachstum, sondern Holzschutzmittel. Das Rot stammt aus Hagebuttentee. Tannenduftöl evoziert die Atmosphäre eines intakten Waldes. Die Installation simuliert Natur und legt zugleich ihre Verwaltung und Künstlichkeit offen.
Das Aufwachsen im Schwarzwald – einer Region, die als Erholungsraum vermarktet wird und zugleich unter dem Zusammenbruch forstwirtschaftlicher Monokulturen leidet – prägt die Spannung der Arbeit. Der Wald ist keine Wildnis. Er ist zugleich Infrastruktur, Ideologie, touristisches Bild und Industrieprodukt.
Heilung kann nicht die Rückkehr zu einer Natur bedeuten, die außerhalb zivilisatorischer Strukturen nicht mehr existiert. Sie würde eine Transformation jener Logik erfordern, die sowohl das Waldsterben als auch das Bedürfnis nach Waldbaden hervorgebracht hat.
